Geschichte


Am 21. Juli 1850 richtete der kgl. Landgerichtsassessor Anton Wagenbauer an den Stadtmagistrat von Dingolfing folgende Zeilen: „Wohllöblicher Magistrat! In Conformität des Art. 12 des Gesetzes vom 26. Februar 1850 beehre ich mich anzuzeigen, daß sich gestern dahier eine Liedertafel gebildet habe, zu deren Vorstand der Unterzeichnete gewählt wurde. Auch Statuten werden beabsichtiget, sind aber noch zu entwerfen und zu berathen. Der Zweck ist lediglich Geselligkeit, Erheiterung nach den Tagesmühen und Gesangesbildung mit Ausschluß aller politischen Tendenz. Vereinslokal ist das Bräuhaus Nindl; die Liedertafel wird ihren Zweck aber auch in anderen Gasthäusern üben je nach Gelegenheit und Realität des Gastgebers. Hochachtungsvoll zeichnend des wohllöblichen Magistrats ergebenster Wagenbauer, 1. Assessor.“ Nach der Überlieferung waren es 21 sangesfrohe Männer, die damals den Verein gründeten. Diese Männer waren geprägt von den verheerenden Folgen der napoleonischen Kriege. Sie waren stolz auf die gewonnene politische Freiheit in Deutschland. Das Ziel, die Musikpflege im deutschen Lied glaubten sie am besten in einem Verein verwirklichen zu können Die Vereine entwickelten sich zu Zellen demokratischen Denkens und Handelns; sie waren offen für singbegeisterte Menschen über alle gesellschaftliche, religiöse und politische Schranken hinweg.
Im Jahre 1851 hatte der Dingolfinger Kunstmaler Friedbichler eine eigene Fahne geschaffen. Ebenfalls 1851 ließ die Liedertafel vom Dingolfinger Zinngießermeister Franz Joseph Waltenberger einen Zinnpokal anfertigen, auf dessen Mittelfeldern neben dem Stadtwappen und der Jahreszahl der Sängerspruch des Vereins eingraviert war : „Frischer Mut im heißen Herzensdrange – Böses weicht, habt Acht dem Brudersange“.
In den folgenden Jahren kam es zu einem Auf und Ab des jungen Vereins. Es erfolgten zwischendurch Vereinsauflösungen, doch die Liebe zum Gesang und zur gesellschaft- lichen Unterhaltung ließ den Verein immer wieder neu beleben. Gegründet wurde die Liedertafel Dingolfing als reiner Männergesangsverein. Mitglied konnte jeder werden, der gemäß Satzung, „von untadelhaftem Charakter ist und eine musikalische Stimme besitzt“.
Größere Aktivitäten sind in den Jahren nach der Vereinsgründung nicht dokumentiert. Eine entscheidende Wende trat ein, als im Jahre 1908 der damalige Bezirksamtssekretär Adalbert Kempter die Leitung des Vereins übernahm. Unter seiner Leitung hatte die Liedertafel Dingolfing einen hochgeachteten Platz im Kranz der örtlichen Vereine inne. Vorstand Kempter ist es auch zu verdanken, dass der Verein in seiner Zusammensetzung und Wirksamkeit zeitgemäß weitergebildet wurde. Von größter Bedeutung für die Weiterentwicklung des Vereins sollte aber eine Besprechung am 24. Februar 1921 werden, in der man sich über die Gründung einer Damenabteilung einigte. Doch dauerte es noch mehrere Jahre, bis die stimmberechtigten männlichen Mitglieder dann am 17. Juni 1926 mir großer Mehrheit beschlossen, „daß künftig die Damen, die bisher im Verein mitgewirkt haben, als ordentliche und zahlende Mitglieder des Vereines erachtet werden“.
Dass diese Entscheidung richtig war, bewies alsbald die Zunahme des Vereins an neuen Mitgliedern und auf lange Sicht auch die Qualität der Aufführungen und die gesellschaftliche Ausstrahlung.
Die Einberufungen zur Wehrmacht am Beginn und während des 2. Weltkrieges schwächten den Personalstand der Liedertafel schwer und das Vereinsleben und die musikalische Arbeit hatte schwer darunter zu leiden. Nach dem Einmarsch der Amerikaner in Dingolfing wurden sämtliche Vereine aufgelöst.
Doch bereits nach zwei Jahren, nachdem sich die allgemeine Lage wieder stabilisiert hatte, gingen frühere Mitglieder daran, eine Wiederherstellung des Vereins zu erreichen. So stellte man am 6. Februar 1947 einen in deutscher und englischer Sprache gefassten Antrag an das Landratsamt, auf Wiederzulassung des Gesangsvereins. Die Liedertafel Dingolfing war dann einer der ersten Gesangsvereine in Bayern, die wieder zugelassen wurden. Bereits am 13. März 1947 konnte die erste Generalversammlung abgehalten werden.
Geprägt wurde die Liedertafel in den nächsten Jahrzehnten von Hans Brandl. Er war Lehrer und später Rektor an der Grundschule St. Josef. Als begeisterter Musiker leitete er den Chor über 45 Jahre lang mit Ausdauer und Freude . Mit dem gemischten Chor und dem Männerchor gestaltete er viele Konzerte und Liederabende. Sogar Operetten und Singspiele wurden in den 50-er Jahren aufgeführt. Die Liedertafel war wieder ein angesehener Verein und eine feste Größe im kulturellen Leben der Stadt Dingolfing geworden.
Und so konnte im Jahre 1975 das 125-jährige Gründungsfest in festlichem Rahmen gefeiert werden. Erst im Jahr 1985 gab Hans Brandl aus Altersgründen die Leitung in jüngere Hände. Für knapp zwei Jahre leitete dann mit Elfriede Schwab eine junge und dynamische Frau den Chor. Aus privaten Gründen zog sie von Dingolfing weg und musste die Position aufgeben. Nach langen Beratungen übernahm im August 1988 Georg Schwimmbeck die Leitung des noch immer gut besetzten Chores. Seit dieser Zeit bringt er sich mit vollem Engagement in die Chorarbeit ein. Der Chor ist nach wie vor fest im kulturellen Leben der Stadt Dingolfing vertreten.
Mit der Anschaffung einer neuen Vereinsfahne wurde das 140. Jubiläum gefeiert. Das 150-jährige Bestehen wurde im Jahr 2000 mit einem Festakt in der Herzogsburg würde begangen. Die verstärkte Zusammenarbeit mit den Ensembles der Musikschule Dingolfing gibt der Liedertafel viele Möglichkeiten, die vom Publikum begeistert aufgenommen werden. Das Liedgut umfasst neben der klassischen und kirchlichen Chorliteratur auch zunehmend moderne Sätze und Arrangements.
Die Führung des Vereins kann man als sehr konstant und solide bezeichnen. So hat der Verein seit 1954 erst drei Vorstände. Max Wälischmiller führte bis zu seinem Tod im Jahr 1968 den Verein. Sein Nachfolger wurde Georg Eberl, der bis 1982 an der Spitze stand. Seither ist Herbert Kreißl 1. Vorstand der Liedertafel Dingolfing. Aber auch die übrigen Positionen werden bereits jahrzehntelang von engagierten Mitgliedern ehrenamtlich geführt.
Neben der musikalischen Arbeit wird aber auch die Geselligkeit gepflegt. So waren in den früheren Jahren die Faschingsbälle und Kappenabende gern besuchte Veranstaltungen. Auch bei den Faschingsaktivitäten des TV Dingolfing war die Liedertafel mit dem Männerchor erfolgreich. Jahrelang waren das „Klapphornquartett“ und die „Interpretenorgel“ begeisternde Höhepunkte im alljährlichen Programm. Jährliche Ausflüge und gemeinsame Feiern haben die aktiven Sängerinnen und Sänger zu einer festen Gemeinschaft zusammengeschweißt.
So ist Jeder, der die Freude an Musik, Talent zum Chorgesang und Lust auf gepflegte Gesellschaft hat, bei den Proben herzlich willkommen.